Einfache Holzbaracken wurden im Nationalsozialismus in großer Stückzahl hergestellt. Entworfen wurden sie in der sächsischen Kleinstadt Niesky – und dann in ganz Europa produziert. Dieses Erbe ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Knappe Kassen und die politische Lage erschweren die Situation zusätzlich.
Simple wooden barracks were mass-produced under National Socialism. Designed in the small Saxon town of Niesky, they were then built across Europe. Today this heritage has largely fallen into oblivion — made worse by austerity scarce funding and a difficult political climate.
Ein unscheinbares Ausstellungsobjekt wird sie gewesen sein, die Holzbaracke auf der Sonderausstellung »Landeskultur und Arbeitsbeschaffung« auf der 39. Landwirtschaftsausstellung, die Ende Mai 1933 auf dem Berliner Messegelände abgehalten wurde. Kaum einer konnte ahnen, dass keine zehn Jahre später fast exakt dieser Bautyp in hunderttausendfacher Kopie in großen Teilen Europas her- und aufgestellt werden würde. Bei der Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) war das Gebäude Teil einer Freiluft-Ausstellung zur Bodenmelioration, wie sie häufig durch den späteren Reichsarbeitsdienst (RAD) ausgeführt wurde. Damit versprach die Baracke als Ausstellungsobjekt Arbeit, Brot und Boden. Sie stand sinnbildlich für Themen, die früh von der nationalsozialistischen Bewegung vereinnahmt und zur Mobilisierung großer Teile der deutschen Bevölkerung genutzt werden konnten. Über 300.000 Menschen besuchten die Schau.

Ein Freiwilliger Arbeitsdienst als Versuch der Arbeitsbeschaffung bestand zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren, war aber bis 1933 wenig erfolgreich geblieben. Rasch entwickelte er sich nach 1933 zu einem wichtigen Propagandaprojekt der NSDAP. Die Aussicht, eine desillusionierte Generation aus der Krisenerfahrung von 1929/30 herausführen zu können, fruchtete bald.
Für das Versprechen von Binnenkolonisation und »Brot aus deutscher Scholle« war es wichtig, die einzelnen Arbeitsdienst-Abteilungen räumlich flexibel einsetzen zu können. So setzte sich der verantwortliche Ingenieur bei der Reichsleitung des Arbeitsdienstes, Alfred Künzel, schon früh dafür ein, große Holzbaukonzerne für ein solches Großprojekt gewinnen zu können. Die Baracke der DLG-Ausstellung wurde durch Christoph & Unmack aufgestellt, ein schon damals bedeutendes Unternehmen im Holzbau. Schon seit dem 19. Jahrhundert entwickelte man dort transportable, zerlegbare Holzbaracken. Diese dienten den Bedürfnissen des Militärs, des Krankenwesens und wurden auch in Kolonien verwendet, etwa bei Expeditionen oder beim Eisenbahnbau.

Bis 1935 wurden Arbeitsdienstabteilungen im gesamten Deutschen Reich aufgestellt, so dass eine allgemeine Dienstpflicht zunächst für junge Männer eingeführt werden konnte. Dies war nicht nur für Christoph & Unmack ein einträgliches Geschäft. Fast alle neuen Arbeitsdienstlager wurden mithilfe der von C&U entwickelten RAD-Baracken aufgebaut. Auch etwa die Reichsautobahnlager bauten auf diesem Typ auf. Schon 1936 und 1937 wurden diese Holzbauten aber auch beim Aufbau der SS-Konzentrationslager in Sachsenhausen, Buchenwald und bei der Erweiterung des Lagers in Dachau verwendet. 1938 folgten die Lager zur Errichtung des sogenannten Westwalls und ab 1939 war es die Wehrmacht, die große Aufträge vergab.
Produktion in ganz Europa
Schon länger reichten die Einschläge in deutschen Forsten nicht aus, um die Bedürfnisse an Bauholz sicherzustellen, die die nationalsozialistische Industriepolitik im Zuge der Kriegsvorbereitung hervorgebracht hatte. Daran konnte auch eine Erhöhung der Einschlagquoten nichts ändern. Erst der Zugriff auf Waldgebiete der besetzten und verbündeten Staaten ab 1939 erlaubte die enorme Steigerung der Barackenproduktion. Noch im ersten Kriegsjahr wurden Abkommen zur Lieferung von Holzbauten mit der schwedischen und finnischen Holzindustrie abgeschlossen. Auch ein Schweizer Holzbausyndikat schloss einen Vertrag mit der SS.
Zwei Beispiele aus Südosteuropa illustrieren diese internationale Dimension, die zwischen Kollaboration, verbrecherischer Ausbeutung und nachhaltig wirksamen Investitionen oszilliert. In den waldreichen Gebieten im Südosten Europas war es deutsches Kapital, das die dortige Forstindustrie für die Bedürfnisse der deutschen Kriegswirtschaft ertüchtigte. Im 1939 gegründeten Slowakischen Staat – mit einer faschistischen, von NS-Deutschland abhängigen Regierung – investierte der Hamburger Reemtsma-Konzern in die Fließbandfertigung von Baracken in Turany. Der Forstwissenschaftler Johann Albrecht von Monroy hatte die Idee aus den Vereinigten Staaten mitgebracht: eine Barackenfabrik direkt im Wald. Dort wurde das in der Umgebung hergestellte Rundholz direkt zu RAD-Baracken weiterverarbeitet. Im ersten Jahr produzierte das Werk schon über 1000 Baracken und steigerte bis 1944 seine Kapazität auf täglich 7,5 Baracken.

In Zavidovići in Bosnien, das nach dem Überfall auf die Balkanregion dem neuen, ebenfalls mit NS-Deutschland verbündeten Unabhängigen Staat Kroatien angehörte, war es die Firma HOBAG aus Breslau (heute Wrocław), die sich auf Kosten der dortigen Waldbestände und gegen den Widerstand lokaler Partisanengruppen an der deutschen Kriegsführung bereicherte. Ab dem Sommer 1941 bis Ende 1942 liefen hier bereits 846 Baracken vom Band. Die HOBAG unterhielt auch Barackenwerke in Galizien, wo sie systematisch KZ-Gefangene für die Arbeit in den Holzwerken ausbeutete. Dort fanden viele von ihnen bei der Arbeit den Tod.

Barackenentwürfe aus Niesky
Schon seit 1933 waren die Baracken nach Nieskyer Entwürfen durch ein ganzes Netzwerk an Betrieben hergestellt worden. Es reichte, die Pläne über die RAD-Verwaltung als sogenannte Typenblätter anzufordern. Um die weitere Rationalisierung der Barackenproduktion zu gewährleisten, formalisierte der Reichsarbeitsdienst die Kooperation mit Christoph & Unmack. So wollte die Reichsleitung des RAD die Zusammenarbeit verbessern und weitere Barackentypen ins Programm aufnehmen. 1939 wurde aus diesem Konstruktionsbüro die »Forschungs- und Konstruktionsgemeinschaft der Reichsleitung des Arbeitsdienstes und der Deutschen Holzbaukonvention«, kurz: FOKORAD.

Über die Arbeitsweise des Büros ist wenig bekannt. Hinweise ergeben sich aber durch das Bürogebäude, das die FOKORAD nutzte und das bis heute existiert. Wahrscheinlich ist, dass ehemalige Kriegsgefangenbaracken aus dem Ersten Weltkrieg in der Neuhofer Straße in Niesky schon zuvor als Sitz gedient hatten. 1940 wurden sie aber umfassend um- und neugebaut. Der als eingeschossige Bau aus Holz-Fertigteilen entworfene FOKORAD-Sitz beherbergte nur einige Zeichentische, eine kleine Anzahl von Verwaltungs- und Funktionsräumen sowie einen Schulungsraum. In den letzten Kriegstagen floh die FOKORAD nach Hermsdorf in Thüringen, das Gebäude selbst wurde geplündert. Schon bald wurde es aber durch Volkseigene Betriebe wieder genutzt und überstand dadurch die Zeit. Erst zuletzt wurde seine seit 1940 kontinuierliche Nutzungsgeschichte durch ein Insolvenzverfahren unterbrochen.
Kein Erinnerungsort
In KZ-Gedenkstätten sind die Baracken musealisiert, teilweise aber auf Kosten der historischen Authentizität. Nicht überall ist zudem ihr Bestand gesichert. Im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel werden sie einem »kontrollierten Verfall« überlassen. Andernorts sind es nur lokale, ehrenamtliche Initiativen, die sich für den Erhalt einsetzen, wie etwa die alte RAD-Truppführerschule in Coesfeld-Lette bei Münster, die nach 1945 zur Unterbringung von Displaced Persons und Flüchtlingen und von 1960 bis 1998 durch den Katastrophenschutz des Landes Nordrhein-Westfalen genutzt wurde. Der Komplex stellt eins der wenigen als geschlossene Anlage überlieferten Lager dar. Zwar sind mittlerweile auch einige Einzelbaracken als Kulturdenkmale gelistet, viele verschwinden aber weiterhin. Auch das FOKORAD-Gebäude in Niesky selbst muss als zumindest bedroht wahrgenommen werden – was sich vor allem aus der dort herrschenden lokalpolitischen Situation ergibt.
Von den zahlreichen einfachen, standardisierten Holzbauten aus der NS-Zeit ist kaum etwas Materielles geblieben. Mit Ausnahme einiger »kanonisierter« und aufwendig wiederhergestellter Baracken – insbesondere in KZ-Gedenkstätten – entziehen sich die Gebäude unserem Bild von NS-Architektur. Im Gegensatz zu ausgeprägten Erinnerungsorten wie dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände oder dem sogenannten Gauforum in Weimar haben sie also keinen Ort in der Geschichte, wenngleich sie uns viel über den Nationalsozialismus erzählen: Was als Versprechen in Form von Arbeit, Brot und Boden begann, endete in Arbeitszwang, Folter und Vernichtung. 1933 war noch nicht alles entschieden, aber das Regime profitierte später von der durch die FOKORAD-Ingenieure am Zeichentisch geleisteten Vorarbeit. Die Barackenproduktion erzählt außerdem von der verbrecherischen Ausbeutung durch die deutsche Besatzungsmacht, vor allem in Ost- und Südosteuropa. Das Thema ist darüber hinaus reich an Bezügen zu gegenwärtigen Fragen – Fragen nach Erinnerungspolitik genauso wie zu einer auf den scheinbar nachhaltigen Baustoff Holz und Standardisierung setzende Architekturproduktion.
Das FOKORAD-Gebäude könnte also ein Erinnerungs- und Debattenort sein – muss aber von einer engagierten Öffentlichkeit als solcher anerkannt, entwickelt und gesichert werden. Ob das aber angesichts des zunehmenden Rechtsrucks, knapper öffentlicher Kassen und einem mangelnden Bewusstsein für das industrielle Erbe überhaupt möglich ist, kann aktuell nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Literaturhinweise
Robert Jan van Pelt: The Barrack 1572–1914. Chapters in the History of Emergency Architecture. Zürich: Park Books 2024.
Jan Bergmann-Ahlswede/Iris Engelmann/Jacob Gabriel/Jannik Noeske/Kai Wenzel: Ein mehrfach unbequemes Erbe: Das FOKORAD-Gebäude in Niesky, in: Die Denkmalpflege 84 (2026), https://doi.org/10.1515/dkp-2026-1006.
Titelbild: Zavidovići (Bosnien), ca. 1943. Ein Barackenlager, bestehend aus Holzbaracken des Typs RLM 501 befand sich am Rand des Dorfes. Quelle: Stadtbibliothek Zavidovići.





































