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Über „Zeitschichten“ in der Geschichtskultur und „Zeiten haben“ zwischen Klimakrise und Endlichkeit (Teil 2)

Achim Landwehr und Achim Saupe im Gespräch über die Veränderungen unseres Zeit- und Geschichtsverständnisses angesichts des Anthropozäns und Klimawandels.

Seit einigen Jahren widmen sich die Geschichts- und Kulturwissenschaften verstärkt der Komplexität der Zeitbezüge. Dies ist der zweite Teil eines Gesprächs über lange Zeiträume und geologische Bezüge, die Metapher der Zeitschichten in der Geschichtskultur und die Veränderungen unseres Zeit- und Geschichtsverständnisses angesichts des Anthropozäns und Klimawandels.

In recent years, the fields of history and cultural studies have increasingly focused on the complexity of temporal references. This is the second part of a conversation about long time spans and geological references, the metaphor of “layers of time” in historical culture, and the shifts in our understanding of time and history in the face of the Anthropocene and climate change.


2023 hielt Achim Landwehr eine Keynote auf der Tagung „Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichts- und Erinnerungskultur“, die von Achim Saupe im Rahmen des Forschungsverbunds und des Research Labs „Geschichtskulturelle Eigenzeiten“ organisiert wurde. Achim Landwehrs Arbeiten sind wichtige Inspirationsquellen für die Frage, welche Funktionen Zeitschichten in der Geschichts- und Erinnerungskultur haben und wie sich das Geschichtsverständnis ändert, wenn es nicht mehr primär im Zeichen linearer, fortschrittsorientierter Erzählungen konzipiert ist, sondern pluritemporal in Räumen organisiert wird.

Die Idee für dieses Gespräch über die jeweils neuesten Veröffentlichungen entstand im Zuge der Arbeit am Tagungsband „Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur“. Auch, weil mit Achim Landwehrs Buch „Zeiten haben. Klimakrise und Endlichkeit“ zwei zentrale Themen des Forschungsverbunds, nämlich Dynamische Raum-Zeit-Konstruktionen, sowie das Thema Mensch-Natur-Verhältnisse im Anthropozän, adressiert werden. Seinem Buch widmet sich dieser zweite Teil des Gesprächs.


Achim Saupe: Du argumentierst, dass unser übliches Verständnis von Geschichte und Zeit, und zwar in ihrer dominanten Form als Kollektivsingular und in ihrer Koppelung an Begriffe wie Fortschritt, Wachstum und Entwicklung, ein Problem darstellt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Warum ist das so?

Achim Landwehr: Unser übliches Verständnis von Zeit und Geschichte ist vor allem deswegen ein Problem, weil diese beiden Begriffe meistens im Singular vorkommen. Es geht um „die Zeit“ und es geht um „die Geschichte“, jeweils im Singular und mit bestimmtem Artikel. Das sind diese berühmten Kollektivsingulare. In einem europäisch-westlichen Zusammenhang haben sie sich erst seit dem 18./19. Jahrhundert herausgebildet. In dieser Zeit sind sie prominent geworden und säkularisiert worden. Dabei gehen sie zurück auf jüdisch-christliche Vorbilder, auf messianische Geschichten, die auf die eine oder andere Weise von einem Ende des Elends einer diesseitigen Welt erzählen. In neuzeitlicher Variante hört dieses Ende auf den Namen „Wachstum“. Die dadurch ausgelöste Dynamik hat fraglos eine Menge an Entwicklungen ausgelöst und zahlreiche Innovationen erbracht, auf die keinesfalls zu verzichten ist. Diese Dynamik ist aber auch für ein wachstumsgetriebenes Fortschrittsdenken verantwortlich, das uns in die Klimakrise manövriert hat, in der wir gerade drinstecken. Und was wir gerade live beobachten können, ist, wie ungemein schwer es ist, aus diesem Modell wieder auszusteigen.

An vielen der aktuellen politischen Diskussionen lässt sich das ja erkennen: Wir wissen zwar alle, dass in dem Umweltzerstörungsmodus, in dem wir schon eine ganze Weile leben, nicht mehr weitergemacht werden kann. Wir wissen aber vor allem nicht, wie man anders weitermachen könnte. Die konkreten politischen, sozialen und ökologischen Lösungsvorschläge liegen alle schon längst auf dem Tisch. Aber uns fehlt offensichtlich die kulturelle Kompetenz, sie umzusetzen und uns überhaupt sinnhafte andere Weltkompositionen vorzustellen, die nicht nach dem westlichen Standardmodell funktionieren. Daher der gern zitierte, u.a. von Mark Fisher vorgebrachte Satz, es sei eher ein Ende der Welt vorstellbar als ein Ende des Kapitalismus. Uns fehlt die Fähigkeit zu einem tatsächlichen ökologischen Denken. Die Modelle von Zeit und Geschichte und deren Änderung spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle, weil sie Orientierung vorgeben, ohne die wir nicht so ohne weiteres auskommen. Und deswegen auch mein Nachdenken über Zeit und Geschichte, weil wir eben ein anderes Verständnis von Zeit und Geschichte brauchen, um anders handeln zu können. Wir brauchen andere Sinnangebote.

A.S.: Du hältst nicht viel vom Anthropozänbegriff. Wenn es um die damit verbundene Kritik geht, dass es eher um eine Dezentrierung des Menschen gehen müsste, kann ich das gut verstehen. Aber du argumentierst ja auch, dass das Denken in Epochen zu einschränkend ist, um uns in ein anderes Verhältnis zur Natur zu setzen.

A.L.: Na ja, der Anthropozänbegriff ist ein nicht ganz einfacher. Ich befürworte den Begriff insofern er klimapolitische Aufmerksamkeit organisiert. Er machte darauf aufmerksam, inwieweit die Spezies Mensch bei der Zerstörung der eigenen Lebensbedingungen vorangeschritten ist. Insofern glaube ich auch nicht, dass man ihn loswerden kann. Ich denke auch nicht, dass wir ihn unbedingt loswerden müssen, zumindest, wie gesagt, nicht als klimapolitisches Aufmerksamkeitsetikett.

Aber aus Sicht einer Beschreibung von Welten in Zeiten halte ich diesen Begriff für problematisch, also sobald es um Beschreibungen historischer Vorgänge geht. Warum halte ich ihn für problematisch? Weil er die Kinderkrankheiten von Epochenbildungen wiederholt. Diese Epochenbildungen vor allem aus europäisch-westlicher Provenienz kennen wir ja spätestens seit der Unterscheidung von vor und nach Christus oder seit der Entwicklung der großen Epochentrias von Antike, Mittelalter und Neuzeit. Das sind zu einem gewissen Grad alles hilfreiche Modelle, insbesondere wenn es um die Einordnung des ganzen Wusts an Geschehenem geht. Aber das Problem, das diese Epochenmodelle haben, und das mit dem Anthropozän wiederholt wird, ist Eindeutigkeit und Vereindeutigung.

Die eindeutige Trennung: Der Null-Meridian am Royal Observatory in Greenwich. Foto: Achim Landwehr

Man sehe sich nur den Unterschied von „Moderne“ und „Vormoderne“ an. Damit ist ein Interpretationsmodus vorgegeben, der vorne und hinten nicht stimmt. Man meint aber gleichzeitig damit unterscheiden zu können, was modern ist und was sich demgegenüber als vormodern abgrenzen lässt. Mit dieser Vereindeutigung von Epochengrenzen verschaffen sich Gesellschaften eine gewisse Erleichterung, weil sie Dinge loswerden können, mit denen sie nichts mehr oder angeblich nichts mehr zu tun haben. In ähnlicher Art und Weise agiert das Anthropozän. So ähnlich wie bei Moderne/Vormoderne oder Neuzeit/Mittelalter kann man jetzt angeblich Dinge in eine Zeit vor dem Anthropozän verschieben, auch wenn das eigentlich gar nicht wirklich möglich ist. Gerade mit Blick auf das Anthropozän erweist sich diese Vereindeutigung als schwierig, weil wir den klimapolitischen Debatten doch gerade feststellen, dass wir die Sachen eben nicht mehr loswerden. Stattdessen betreffen uns sehr lange Zeiträume. Die Entstehung von natürlichen Ressourcen, Erdöl oder Erdgas, hat Millionen von Jahren gedauert, auch das Entstehen von Gletschern hat tausende, zehntausende von Jahre in Anspruch genommen, und wir sehen jetzt wie diese Entwicklungen uns heute sehr aktuell betreffen. Insofern sind diese fernen Zeiten sehr gegenwärtig und man kann nicht mehr davon sprechen, dass wir es mit eindeutigen Epochenunterscheidungen zu tun hätten.

Ausläufer der Breiðamerkurjökull-Gletscherzunge auf Island. Foto: Achim Landwehr

Zudem finde ich den Anthropozänbegriff schwierig, weil er auch noch Zukunft determiniert. Wenn wir im Anthropozän leben sollen, dann ist der Untergang der Menschheit eigentlich schon vorherbestimmt. Wenn wir jetzt im Erdzeitalter des Menschen leben, dann kann ein neues Erdzeitalter eigentlich nur beginnen, wenn der Mensch endgültig abtritt. Und das bringt einen weiteren Determinismus, eine weitere Vereindeutigung in der historischen Selbstbeschreibung mit sich. Ist es dann überhaupt noch sinnvoll, irgendwie zu handeln oder vor allem anders zu handeln, wenn ohnehin schon feststeht, was geschehen wird? Deswegen halte ich diese Dezentrierung des Menschen für bedeutsam auch im kritischen Umgang mit dem Epochenbegriff Anthropozän.

A.S: Du hast den Begriff der Chronoferenzen bzw. des Chronoferierens geprägt und plädierst für ein Verständnis von Vielzeitigkeit, dafür, dass wir selbst ganz viele Zeiten formen und haben, dass wir selbst ganz unterschiedliche Verbindungen in die Vergangenheit und Zukunft denken und imaginieren können. Was versprichst du Dir davon in Bezug auf die Herausforderungen des Klimawandels und unser Handeln?

A.L.: Wie ich schon gesagt habe, wenn wir unter den Vorzeichen des Klimawandels anders handeln wollen, dann brauchen wir auch andere Sinnangebote. Für andere Sinnangebote brauchen wir andere Erzählweisen, und für andere Erzählweisen brauchen wir andere Zeitmodelle.

Wie groß die Verzweiflung ist, lässt sich daran erkennen, wie häufig in der Klimadebatte mit Negationen gearbeitet wird. Negation heißt: Wir wissen, was wir nicht mehr tun dürfen. Das führt aber ganz häufig zu Frustration, selbst bei den Wohlmeinenden, und nicht nur zu Frustration, sondern auch zu Desorientierung. Ich weiß zwar, was ich nicht mehr machen darf. Mir wird aber in diesen ganzen Debatten wesentlich seltener ein Angebot gemacht, wie ich dennoch handeln kann, wie ich leben kann, wie es weitergehen soll. Deswegen brauchen wir andere Angebote und dabei soll eben der Begriff der Chronoferenz helfen.

Chronoferenz sagt vor allem aus, dass jede Gegenwart ungleichzeitig mit sich selbst ist. Soll heißen, jede Gegenwart stellt Verknüpfungen mit anderen Zeiten her, mit Vergangenheiten, mit Zukünften, aber auch mit mythischen Zeiten, mit religiösen Zeiten, mit Ewigkeiten, mit allen möglichen Zeitformen, mit denen menschliche Gesellschaften umgehen können.

Die Ungleichzeitigkeit der Gegenwart mit sich selbst: Milliarden Jahr alte Wassermoleküle, zusammengeballt zu Wolken, spiegeln sich gemeinsam mit der aus dem 14. Jh. stammenden St. Johannis Kirche in der Glasfassade des Museums Lüneburg, erbaut 2015. Foto: Achim Landwehr

Das löst dann auch den üblichen Rahmen der Geschichtswissenschaft auf. Es geht eben nicht mehr nur darum, sich auf die Vergangenheit zu konzentrieren, sondern darum, sich anzuschauen, welche Zeitformen eine Gegenwart für sich zur Verfügung hat. Damit hoffe ich zumindest eine Art der Umgangsweise mit Zeiten zur Verfügung zu stellen, die konkrete Angebote macht, für andere Beschreibungsformen.

A.S.: Wir haben im November unsere nächste Jahreskonferenz, zur Frage des Orientierungswerts der Vergangenheit. Du sprichst an einer Stelle davon, dass der Blick in die Zeiten eher den Sinn für das Absurde schärft. Hält die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und von dort aus unsere Schlussfolgerungen für die Gegenwart und Zukunft nicht auch in ihrer relationalen Weise Orientierung bereit?

A.L.: In der Zeit Orientierung zu suchen ist sicherlich nötig und angebracht. Doch zugleich behandelt der Orientierungsbegriff die Zeit damit in ähnlicher Weise, wie der Raum behandelt wird (und „Orientierung“ ist nun einmal eine geographische Metapher). In der Zeit oder in der Geschichte kann man sich aber nicht mit ähnlicher Gewissheit „orientieren“ wie im Raum.

Schwierig wird es mit der Orientierung zudem, wenn dadurch in Vergangenheiten und Zukünften mehr Sinn entdeckt wird, als dort tatsächlich drinsteckt, zum Beispiel in Form umfassender historischer Gesetzmäßigkeiten. Immer dann, wenn in irgendwelchen Debatten davon gesprochen wird, dass der Lauf der Geschichte doch dieses oder jenes zeige, dass man selbst auf der richtigen, alle anderen aber auf der falschen Seite der Geschichte stünden, müssen alle Alarmsirenen schrillen. Sobald „die Geschichte“ zur eindeutigen Einbahnstraße wird, heißt es Vorsicht im historischen Straßenverkehr.

Deswegen plädiere ich für Absurdität. Nicht, weil ich damit der Sinnlosigkeit oder der Vergeblichkeit das Wort reden will, sondern weil ich, zum Beispiel mit Rekurs auf Albert Camus, darauf hinweisen möchte, dass „der Geschichte“ kein vorgegebener Sinn eingeschrieben ist, man also auch nicht auf der richtigen oder falschen Seite stehen kann. Zudem möchte ich auf die etymologische Wurzel des Absurden hinweisen, die nicht auf das Sinnlose, sondern auf das Ungereimte, auf das Nicht-Zusammenklingende hinweist. Es ist nicht sinnlos, der Sinn lässt sich nur nicht für bestimmte kulturelle Modelle unproblematisch bestimmen.

Wenn wir es im Zusammenhang des Historischen aber in dieser Weise mit dem Absurden und dem Ungereimten zu tun haben, dann bedeutet das zugleich, dass menschliche Bedeutungskollektive die Verantwortung übernehmen müssen, für die zeitlichen, oder besser: chronoferentiellen Zusammenhängungen, die sie selbst erstellen. Sie können das nicht mehr an den Kollektivsingular Geschichte delegieren.

A.S.: Wie sollen wir nun Geschichten, Zeiten, und Räume relationieren und zugleich zur Darstellung bringen? Dir schwebt eine Geschichte im Modus der Wunderkammer vor, und hast Vorschläge für Anthropozänsammlungen entwickelt.

A.L.: Neue Erzählformen sind meines Erachtens die aktuell größte Herausforderung. Das ist auch das Problem, das mich im Moment sehr ausgiebig beschäftigt. Und ich habe noch keine fertige Antwort darauf. Auch ich bin ja nun einmal eingebunden in die kulturellen Kontexte, in denen ich lebe, inklusive all ihrer Sinnangebote.

Möglichkeiten eines anderen historischen oder chronoferentiellen Erzählens sind alles andere als trivial. Denn dabei geht es immer auch um den Zusammenhang von Theorie und Form. Dafür gibt es im Historischen keine Blaupausen (oder ich habe sie bisher noch nicht entdeckt). Wir brauchen tatsächlich so etwas, wie eine gänzlich anders geartete Geschichtsschreibung, die möglicherweise keine Geschichtsschreibung im klassischen Sinn sein kann. Ähnlich wie Herodot, Chladenius, Ranke oder die Annales-Schule in bestimmten Situationen die Darstellung von Welten in Zeiten anders organisieren mussten, müssen wir das möglicherweise auch tun.


Literatur

Achim Landwehr, Zeiten haben. Klimakrise und Endlichkeit. Frankfurt am Main: Campus 2025.

Achim Landwehr, Zeitschichten, in: Martin Sabrow/Achim Saupe, Handbuch Historische Authentizität, Göttingen: Wallstein 2022, S. 545-553.

Achim Saupe (Hg.), Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur, Göttingen: Wallstein 2026.


Titelbild: Ausläufer der Breiðamerkurjökull-Gletscherzunge auf Island. Foto: Achim Landwehr

Über „Zeitschichten“ in der Geschichtskultur und „Zeiten haben“ zwischen Klimakrise und Endlichkeit (Teil 1)

Achim Saupe und Achim Landwehr im Gespräch über lange Zeiträume, geologische Bezüge sowie die Metapher der Zeitschichten in der Geschichtskultur.

Seit einigen Jahren widmen sich die Geschichts- und Kulturwissenschaften verstärkt der Komplexität der Zeitbezüge. Ein Gespräch über lange Zeiträume und geologische Bezüge, die Metapher der Zeitschichten in der Geschichtskultur und die Veränderungen unseres Zeit- und Geschichtsverständnisses angesichts des Anthropozäns und Klimawandels.

In recent years, the fields of history and cultural studies have increasingly focused on the complexity of temporal references. A conversation about long time spans and geological references, the metaphor of “layers of time” in historical culture, and the shifts in our understanding of time and history in the face of the Anthropocene and climate change.


2023 hielt Achim Landwehr eine Keynote auf der Tagung „Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichts- und Erinnerungskultur“, die von Achim Saupe im Rahmen des Forschungsverbunds und des Research Labs „Geschichtskulturelle Eigenzeiten“ organisiert wurde. Achim Landwehrs Arbeiten sind wichtige Inspirationsquellen für die Frage, welche Funktionen Zeitschichten in der Geschichts- und Erinnerungskultur haben und wie sich das Geschichtsverständnis ändert, wenn es nicht mehr primär im Zeichen linearer, fortschrittsorientierter Erzählungen konzipiert ist, sondern pluritemporal in Räumen organisiert wird.

Die Idee für dieses Gespräch über die jeweils neuesten Veröffentlichungen entstand im Zuge der Arbeit am Tagungsband „Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur“. Auch, weil mit Achim Landwehrs Buch „Zeiten haben. Klimakrise und Endlichkeit“ zwei zentrale Themen des Forschungsverbunds, nämlich Dynamische Raum-Zeit-Konstruktionen, sowie das Thema Mensch-Natur-Verhältnisse im Anthropozän, adressiert werden. Seinem Buch widmet sich der zweite Teil des Gesprächs, der in einem weiteren Blogbeitrag erscheint.


Achim Landwehr: Welchen Nutzen hat die Metapher von den Zeitschichten für die viel diskutierte Erinnerungskultur? 

Achim Saupe: Das geht ja hier direkt zur Sache, gleich nach dem Nutzen zu fragen! Prinzipiell können mit der Metapher der Zeitschichten unterschiedliche Zeitebenen veranschaulicht und bestenfalls miteinander verknüpft werden. In der Erinnerungskultur geht es ja viel um die Lesbarkeit der Geschichte im öffentlichen Raum, um ihre Materialität. Und da bietet sich das anschauliche Zeitschichtenmodell, seine Ästhetik, aber auch die Möglichkeiten zur Ästhetisierung unserer Zeitbezüge hervorragend an, um uns in ein Verhältnis zu unterschiedlichen Vergangenheiten zu setzen.

Es ist auffällig, dass seit ca. 2000 die Metapher in der Geschichtskultur immer häufiger auftaucht. Das hat auch mit einem anderen Zeitverständnis in der Postmoderne zu tun. Die Geschichte ist eben nicht mehr gradlinig, und wir haben es auch mit ganz unterschiedlichen Erfahrungsräumen zu tun, die verschiedene Menschen mitbringen, und deren „geteilte“ oder eben gar nicht geteilte Geschichte nun erzählt werden soll – bzw. die sie selbst zueinander in Beziehung setzen wollen. In der klassischen Verwendung der Metapher werden dabei Zeitschichten mit politischen Regimes verknüpft, nach dem Motto: Hier werden die Zeitschichten des Kaiserreichs, des Nationalsozialismus und der DDR sichtbar.

Ich weiß aber gar nicht, ob man die Frage nach den Zeitschichten in der Geschichtskultur gleich unter Nützlichkeitsaspekten erwägen sollte, geschweige denn, dass man eine solche in irgendeiner Weise pädagogisch ablesbar machen kann. Uns und mir geht es in dem Band zunächst einmal um ein Ausloten des Bedeutungsspielraums einer Metapher in unterschiedlichen zeitgenössischen, historischen und geschichts- bzw. erinnerungskulturellen Kontexten. Was bedeutet es, wenn man eine geologische Metapher bemüht, um historischen Wandel zu verstehen? Und wenn man in die Geologie schaut, dann gibt es ja auch unterschiedliche Entstehungen von Zeitschichten-Phänomenen und vor allem lange zurückliegende Ereignisse und lang andauernde Zeiträume, die für Wandel verantwortlich gemacht werden können. Insofern bietet selbst die etwas starr erscheinende Geologie ja durchaus etwas, um das Bild zu dynamisieren: etwa, wenn man an tektonische Plattenverschiebungen, die Eruption von Vulkanen oder aber sich über Jahrtausende und Jahrmillionen hinziehende Sedimentierungen und Ablagerungen denkt.

Stratigrafische Schichten an der Abbruchkante der Teide-Caldera, Teneriffa. Foto: Achim Saupe 2026.

A.L.: Wenn mit den Zeitschichten insbesondere die Gleichzeitigkeit der Zeiten betont werden soll: Welchen Mehrwert hat ein solches Verständnis von Gleichzeitigkeit(en) für die historischen Wissenschaften?

A.S.: Ich glaube ja, dass es verschiedene Möglichkeiten und deshalb auch Vorstellungen davon gibt, ob die Zeitschichten, wenn man so will, Nach- und Überzeitigkeit, Nebenzeitigkeit, oder Gleichzeitigkeit signalisieren. Das stratigraphische Modell privilegiert zunächst einmal das Nacheinander und Übereinander: Jüngere Schichten sind oben zu finden. Das bestätigt unser chronologisches Verständnis von Geschichte. An den Aufschlüssen erkennen wir dann aber, dass hier Kräfte wirken, die die Zeiten unter Druck setzen und sich auf ihre benachbarten Schichten auswirken.

Man könnte nun zunächst mit einem klassischen Topos argumentieren, dass die Zeitschichten die „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“ zur Anschauung bringen. Das hatte Reinhart Koselleck im Sinn, als er über die Zeitschichtenmetapher schrieb, welche er zudem mit dem Dreizeitenmodell von Fernand Braudel verknüpfte: Phänomene von langer Dauer, Wiederholungen und Ereignisse in ihrer jeweiligen Beziehung zu bedenken. Über den Topos des (Un-)Gleichzeitigen hat Fernando Esposito gerade ein beeindruckendes Buch geschrieben, in dem er auch den Zeitschichten und der Vulkanologie bzw. der entstehenden Geologie eine wichtige Rolle beimisst, weil aus ihr heraus seiner Meinung nach ein Denken in Zeitblöcken resultierte, dass maßgeblich für Fortschrittsvorstellungen war. Mit Esposito könnten wir sagen, dass sich daraus zwei Denkmodelle entwickeln lassen: entweder, wir halten bestimmte Zeiten für „überholt“ oder „unzeitgemäß“. Diese temporale Differenzierung hilft bei der Bewertung von Dingen, führt aber schnell zu Stereotypen und Abwertungen und repräsentiert letztlich eine Geschichte, die vom Fortschritt aus denkt. Es sei denn, man versteht sich selbst als unzeitgemäß und verweigert sich den Trends.

Also braucht es ein positiv gewendetes Verständnis dieser Gleichzeitigkeiten, dessen Konturen aber noch unklar bleiben. Zugleich darf das auch nicht zu einem Präsentismus werden, der selbstgerecht auf den Wandel der Zeiten blickt. Es braucht also ein anderes Modell, eines, das sich vom ästhetischen Spiel der Zeiten tatsächlich affiziert zeigt, und dabei auch unterschiedliche Raum-Zeit-Metaphern austestet und historisiert.

Vielleicht kann man den Mehrwert für die historische Wissenschaft vom Wert für historisches Denken trennen. Der Mehrwert für die historische Wissenschaft ist, Geschichte anders zu konzipieren als im linearen Fortschrittsmodus oder im Kleinklein des Nacheinander. Man kann Geschichte in der Fläche denken, wie es die Public History und die Erinnerungskultur schon macht. Dadurch, so meine These, hat sich unser Geschichtsverständnis auch schon teils gewandelt. Die großen Erzählungen haben sich nicht allein wegen der Krise des Fortschritts und der Utopien aufgelöst, sondern haben sich in den „kleinen Formen“ historischer Aphorismen und Erinnerungen pluralisiert. Nur müssten auch die Räume und die mit ihnen verbundenen Raumvorstellungen noch stärker relational gedacht werden. Geschichte ist insofern nur ein Modus der Vergangenheitsvergewisserung (neben Erinnerung, Archiv, Archäologie, Genealogie und Erbe, um ein paar weitere zu nennen) und als Geschichtswissenschaft dann wiederum vor allem Problem- und Fragestellung (oder Frage und vorläufige Antwort à la R.G. Collingwood). Tendenziell spielt es dann auch nur bedingt eine Rolle, welche Zeiten und Räume wir ins Visier nehmen, denn wofür wir uns interessieren, sind Probleme, deren Ursachen nicht nur in einer konkreten „Vorgeschichte“ zu erkennen sind, sondern sich eher morphologisch als Problem zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Räumen entwickeln und diskutieren lassen. Das hat natürlich weitreichende Folgen für „das Fach“, auch wenn natürlich für die konzise Bewertung einer Vergangenheit nach wie vor Expertise wichtig bleibt.

In der Gedenkstätte Hohenschönhausen, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis, steht man über bewahrten Zeitschichten. Um den authentischen Bodenbelag nicht zu berühren, wurden darüber großflächige Stege gebaut. Zeitgeschichte wird zur Rettungsarchäologie, der Blick erfolgt durch das archäologische Fenster. Foto: Achim Saupe 2026.

Davon zu trennen ist der Wert für das historische Denken: Die Geschichte der Gleichzeitigkeiten muss wohl als eine der Ko-Präsenzen gedacht werden, in denen viele Geschichten nachleben, überlagert sind und verschüttet wurden, und viele schon aufscheinen oder aber begonnen wurden und noch nicht abgeschlossen sind. Ich vermute, dass eine solche Geschichte der Gleichzeitigkeiten, wenn wir sie denn austesten wollen, in eine Ethik des Geschichtsbezugs mündet, die selbst historisch, reflexiv und kritisch gedacht werden muss. In diese Richtung habe ich auch Dein neues Buch „Zeiten haben“ gelesen.

A.L.: Sind Zeitschichten als eher träge temporale Strategien dazu geeignet, gerade unter politisch turbulenten Umständen wie den aktuellen ein angemessenes Deutungsangebot zu machen? 

A.S.: Das finde ich eine sehr wichtige Frage. Ich kritisiere die Wahl dieser trägen temporalen Figur zunächst in meinem Aufsatz, denn hier geraten oft nur noch komprimierte Brüche bzw. Aufschlüsse in den Blick, während gesellschaftliche Kämpfe, die Möglichkeit zur Revolution, die Vielfalt der politischen Ansichten und Pluritemporalität zu bestimmten Zeiten – die Granularität des Historischen, wie Christoph Bernhardt in einem unserer Beiträge schreibt – und damit auch der Kampf um das „Zeiten haben“ und „Zeiten machen“ – um nochmals auf Dein Buch anzuspielen – gar nicht mehr so richtig aufscheint. Oder nur noch als gebaute Utopien, was eher zu Nostalgie und Retrokult führt. Offensichtlich braucht es aber einigen Mumm, um den Unausweichlichkeiten des Klimawandels zu begegnen, für Gerechtigkeit einzutreten, oder den Pazifismus als Idee für eine Zeit nach den Kriegen der Gegenwart zu bewahren, und da hilft deren Einbettung bzw. Historisierung in und als Zeitschichten nur wenig.

Auf der anderen Seite müssten wir überlegen, ob die Disziplin Zeitgeschichte und auch die Erinnerungskultur nicht so ereignisüberfrachtet und damit kurzatmig ist, dass Fragen der longue durée, Fragen der „strukturierten und strukturierenden Strukturen“, sprich mentale, sich über die Zeiten ausprägende Schichten, die zugleich vermeintliche Ungleichzeitigkeiten ordnen und organisieren, aus dem Blickfeld geraten sind: Rassismus, koloniale Denkstrukturen, Antisemitismus sind zwar in aller Munde und werden als Gründe für Menschheitsverbrechen immer wieder genannt, aber wird ihrer auch als langfristige und in die Gegenwart hineinreichenden Faktoren gedacht? Vielleicht im Modus des kritischen Geschichtsbewusstseins, weniger aber in der Erinnerungskultur, würde ich behaupten. Ich bin in der Literatur und an Erinnerungsorten immer wieder der Zeitschicht des Nationalsozialismus begegnet, aber den nochmals dickeren und breiteren Zeitschichten des Antisemitismus und Rassismus nicht. Das ist ja schon interessant und zeigt, wie sehr die Zeitschichten in den Zeitblöcken der Politikgeschichte und Mensch-macht-Geschichte aufgehen, während Fragen der Mentalitäten, Denkstrukturen und Diskurse in einer ereignisfixierten Erinnerungskultur nicht im Vordergrund stehen. Insofern kann man auch gespannt sein, was aus dem derzeit in den Memory Studies diskutierten Konzepts des „slow memory“ noch hervorgeht.

A.L.: Welche Vorteile, möglicherweise aber auch Probleme bringt das Modell der Zeitschichten für die konkrete Arbeit in der Geschichtsvermittlung, in Schulen, Museen etc. mit sich?

A.S.: Kritisch, so würde ich nochmals festhalten wollen, kann die Zeitschichtenmetapher dazu beitragen, die Geschichte des 20. Jahrhunderts als dicht komprimierte Gesteinsformationen aufzufassen, um sie damit in der Tiefenzeit der Deutschen oder Europäischen Geschichte einzulagern. Sie ist dann so etwas wie die Endlagerstätte einer kontaminierten Geschichte. Die Zeitschichten haben etwas Abgeschlossenes, deren Verbindung zueinander und zum Heute nicht immer besonders klar ist. Sich Geschichte als dynamischen Prozess vorstellbar zu machen, gehört nicht zu den besten Eigenschaften des Modells.

Andererseits sind sie ein ästhetisches Phänomen, und indem wir sie erkennen, kann man ein Gespür für unterschiedliche Zeiten, Zeitverständnisse, ihre Bedingungen und materiellen Überreste bekommen. Das ist keine Geschichte des Wandels mehr, sondern eine der gleichrangigen Relevanzen, deren Bezüge zueinander wir zu erschließen haben. Zeitschichten-Studium heißt insofern, etwas über die Fabrikation der Geschichte und das sich wandelnde Zeitverständnis von Gruppen und Gesellschaften erfahren zu wollen.


Literatur

Achim Landwehr, Zeiten haben. Klimakrise und Endlichkeit. Frankfurt am Main: Campus 2025.

Achim Landwehr, Zeitschichten, in: Martin Sabrow/Achim Saupe, Handbuch Historische Authentizität, Göttingen: Wallstein 2022, S. 545-553.

Achim Saupe (Hg.), Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur, Göttingen: Wallstein 2026.


Titelbild: Zeitschichten vulkanischer Ausbrüche. Teneriffa, in der Nähe des Teide. Foto: Achim Saupe 2026.

Historische Vorbilder in Indien

Interview mit Dr. Heike Liebau, Sprecherin des Leibniz-Forschungsverbunds “Wert der Vergangenheit” über Wertekonstruktionen und Geschichtsbilder

Frau Liebau, Sie arbeiten derzeit an dem Projekt “Geschichtsbilder in Vorbildkonstruktionen in Indien”. Offensichtlich hat die Vergangenheit also einen ganz konkreten Wert in Vorbildkonstruktionen. Über welche historischen Vorbilder arbeiten Sie und wie ziehen Gesellschaften oder bestimmte Gruppen einen besonderen Wert aus ihnen?

Heike Liebau: Die Suche nach dem Wert von Vergangenheit und die Auseinandersetzung über Geschichte zeigen sich in bestimmten Vorbildkonstruktionen sehr deutlich. Auch hierzulande begegnen uns in der täglichen politischen Auseinandersetzung immer wieder Debatten zur Rolle von und zum Umgang mit historischen Persönlichkeiten, die mal Vorbilder waren, oder deren Vorbildrolle in Frage gestellt, verzerrt oder neu interpretiert wird. Ich denke zum Beispiel an Diskussionen um Namen wie Ernst Thälmann oder Clara Zetkin, aber auch an das „@IchbinSophieScholl“ Projekt auf Instagram. Die noch bis Januar 2024 laufende Ausstellung zu Wolf Biermann im Deutschen Historischen Museum in Berlin hat eine „Vorbildecke“, in der Besucherinnen und Besucher aufgefordert werden, ihre Vorbilder zu benennen. Die Antworten reichen von „ich bin mein eigenes Vorbild“ bis zu „Christa Wolf und Brigitte Reimann“.

Aber Sie hatten nach meinem Projekt gefragt: Die Idee, über “Geschichtsbilder in Vorbildkonstruktionen in Indien” zu arbeiten entstand im Rahmen meiner Forschungen zu indischen politischen Aktivisten im Exil in Deutschland während und nach dem Ersten Weltkrieg. Wenn man sich anschaut, ob und wie an diese Personen im heutigen Indien erinnert wird, trifft man auf interessante Entwicklungen und Auseinandersetzungen.

Da ist zum Beispiel Chempakaraman Pillai (1891 – 1934), der mehr als die Hälfte seines vergleichsweisen kurzen Lebens in Europa (v.a. Schweiz und Deutschland) verbrachte und sich dort nicht nur in indischen antikolonialen Kreisen bewegte, sondern auch in internationalen Handelsbeziehungen aktiv war und in deutschen konservativen bis völkischen Milieus verkehrte. Ihn kannte man lange vor allem im seiner Herkunftsregion im Süden Indiens. Es existieren biographische Abrisse in südindischen Sprachen, wie Malayalam aus den 1960ern, aber auch jüngere Studien, z.B. in Tamil oder Malayalam. Inzwischen gibt es einige Denkmäler für ihn, ein bedeutendes wurde 2008 im Gandhi Mandapam Campus in Chennai, Tamil Nadu, von dem damaligen Chief Minister des Staates Muthuvel Karunanidhi enthüllt.

Chempakaraman Pillai Statue in Chennai im Gandhi Mandapam Park, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0.

Also bleibt Pillai weiterhin eine Symbolfigur vorwiegend im Süden Indiens? Warum sind die Erinnerungen an ihn Teil einer “Vorbildkonstruktion”?

HL: Das deutsche Wort „Vor-bild“ zeigt sehr schön, dass es bei diesen Konstrukten um jemanden geht, dem man nacheifern soll, den man nachahmen kann, dessen Bild dabei hilft, das eigene Handeln einzuordnen und einzuschätzen. Die Konstruktion eines historischen Vorbilds hat oft eine starke pädagogische Dimension, wenn ältere Generationen, Lehrer, Eltern oder Kollegen eine solche Figur im Rahmen eines politischen und gesellschaftlichen Bildungsprozesses aufbauen für eine jüngere Generation.

Das eben erwähnte Denkmal steht beispielsweise in einem Bildungscampus, ein Ort für Erinnerung und Bildung, so die offiziellen Erläuterungen zum Gandhi Mandapam. Für eine historische Persönlichkeit ist es gewissermaßen eine offizielle Weihe, wenn in diesem Park mit einem Denkmal an sie erinnert wird. Ein anderes kleineres Denkmal für Pillai wurde 2018 auf einem Schulgelände in Thanjavur eingeweiht, aus Anlass des Beginns eines Bildungsprogramms für ländliche Schulen, und gestiftet von einer Wohltätigkeitsorganisation. Das sind Beispiele, die sich auf Südindien beziehen.

Werbung für das Biopic „Jai Hind“, IMDb, Link: https://www.imdb.com/title/tt21792428/.

Im Internet kursieren zahlreiche Videos über Pillais Lebensgeschichte, mit unterschiedlichem Bildungsanspruch und für ein junges Publikum gemacht. Diese Videos sind nicht nur in den südindischen Sprachen Tamil oder Malaylam, sondern auch in Englisch, und erreichen damit ein Publikum über den Süden Indiens hinaus. Und diese Entwicklungen interessieren mich. 2019 erschien das landesweite “Dictionary of Martyrs of India” mit einem Eintrag zu Chempakaraman Pillai. Und indische Filmstudios planen für 2023 den Beginn der Arbeiten an einem englischsprachigen Biopic mit dem Titel „Jai Hind“, was wörtlich „Sieg für Indien“ bedeutet, aber auch im Sinne von „Es lebe Indien“ verwendet wird. Diese Losung wird heute von vielen Pillai zugeschrieben und macht ihn dadurch zu einem Symbol nationalistischer Vorstellungen von einem großen, einflussreichen und Hindu-dominierten Indien.

Mein Anliegen ist, Zusammenhänge zwischen Vorbildkonstruktionen und Geschichtsbildern sowie Zukunftserwartungen herauszuarbeiten. Ich frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen einer historischen Persönlichkeit Vorbildcharakter zu- bzw. abgesprochen wird, nach den entsprechenden Zielen und danach, auf welche Weise das umgesetzt wird.

Sie berücksichtigen in Ihrer Forschung auch Denkmäler. In Europa und Nordamerika stehen die klassischen Denkmäler ja in der Kritik, siehe Christopher Kolumbus oder Edward Colston. In Indien scheint das aber nicht der Fall zu sein. Können Sie uns da eine Einschätzung geben?

HL: Diese Beobachtung ist sicher zu pauschal. Auch in Indien hat es in den vergangenen Jahren Formen von Vandalismus von Denkmälern für historische Persönlichkeiten und religiöse Figuren gegeben. So wurden etwa Denkmäler für Mahatma Gandhi beschädigt und teilweise vom Sockel gestürzt. Im Januar 2022 wurde in Odisha ein lebensgroßes Gandhi Denkmal auf einem Schulgelände vom Sockel gestoßen. Zur gleichen Zeit wurde ein Denkmal für den Sozialreformer E V Ramasamy, auch ‘Periyar’ genannt, geschändet, was zu Spannungen in der Regionen Vellelore in Tamil Nadu führte. Das Denkmal wurde mit Safranpuder bespritzt und Periyar wurde eine Girlande aus Schuhen umgehängt. Im Dezember 2021, als es zahlreiche Angriffe auf Christen und Kirchen in Indien gab, wurden auch Jesus-Statuen geschändet, beschädigt oder zerstört.

Gleichzeitig haben sowohl die Zentralmacht in Indien als auch einflussreiche Politiker und Wirtschaftsmagnaten das Bestreben, große und sichtbare Denkmäler als Ausdruck ihrer Macht zu errichten. In ihrem Buch “Gods in the Time of Democracy” setzt sich Kajri Jain mit diesem Phänomen vor dem Hintergrund neoliberaler Entwicklungen kritisch auseinander. Zu den historischen Persönlichkeiten, für die in jüngster Zeit mehrere Statuen errichtet werden, gehört u.a. der umstrittene Unabhängigkeitskämpfer Subhas Chandra Bose (1897-1945). Erst vor kurzem wurde von Permierminister Narendra Modi eine Granitstatue für ihn in unmittelbarer Nähe zum India Gate, dem berühmten Monument zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg im Zentrum Delhis enthüllt.

Die 182m hohe Statue of Unity ist dem Politiker Vallabhbhai Patel gewidmet. Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0.

2018 rühmte Indien sich, mit dem Denkmal für den ehemaligen Staatsmann und Politiker Sardar Vallabhbhai Patel (1875-1959) die höchste Statue der Welt errichtet zu haben. Das 182 m hohe Denkmal, auch Statue of Unity genannt, befindet sich im Unionsstaat Gujarat und ist inzwischen ein berühmtes Ziel für Touristen. Mehrere gewaltige Statuen für den bedeutenden Marathenführer des 17. Jahrhunderts, Shivaji, der in der jüngeren nationalistischen Geschichtsschreibung zunehmend als militanter Hindu-Anführer verehrt wird, sind in den vergangenen Jahren entstanden. Hinzu kommen Statuen für religiöse Figuren wie für die Gottheiten Ram oder Hanuman.

Wie arbeitet man eigentlich, wenn man Wertekonstruktionen und Wertebildungen untersucht?

HL: In meiner Forschung geht es um historische Persönlichkeiten, die in unterschiedlichen Gegenwarten als Vorbilder in Erscheinung treten, oder besser gesagt, zu kollektiven Vorbildern geformt werden. In dieser Eigenschaft sollen sie Orientierung liefern und gleichzeitig fungieren sie als Verbindung zwischen historischen Zeiten, aber auch zwischen unterschiedlichen Akteuren; denen, die die Symbolfigur konstruieren und entsprechend bedienen und denen, die sie verehren und sich an ihr orientieren. Um diese Zusammenhänge zu erfassen, muss ich mich also auch forschungspraktisch in verschiedenen Zeiten bewegen. Die Zeit, in der die Persönlichkeit lebte, ist wichtig, und die Zeiten, in denen spätere Akteure sich in der einen oder anderen Weise auf sie berufen, Fragen an sie stellen, sie aber auch neu definieren und historisch positionieren.

Was meine Forschung zu Chempakaraman Pillai betrifft, so habe ich mich viel in Archiven bewegt, um Fakten herauszufinden, seine Korrespondenzen und Werke zu lesen, klassische Archivforschung also. Mich hat dann interessiert, was aus dem Mann geworden ist in der Erinnerung und in der Geschichtsschreibung. Ich habe also geschaut, wie sein Nachleben verlief: wann gab es öffentliche und kollektive Erinnerungen an ihn, wer hat die vorangebracht und wie wurde er jeweils dargestellt. Wie unterscheiden sich die Bezüge aus den 1960ern von denen heute und warum? Meistens sind es die gleichen Narrative und Ereignisse aus seinem Leben, die herangezogen werden, aber der Kontext, in dem sie stehen, ist jeweils ein anderer. Und hier kommen dann die unterschiedlichen Akteure ins Spiel: wer konstruiert das Vorbild, warum und für wen? Hier schaue ich mir die Machtverhältnisse an, die historischen Diskurse sowie die Medien, derer man sich bedient. Ein Lernvideo auf youtube erfordert ein anderes Herangehen als eine biographische Arbeit aus den 1960ern. Das Anliegen, nämlich durch die historische Erzählung moralische und ideologische Werte zu vermitteln und zum Handeln in der Gegenwart zu mobilisieren, ist vergleichbar.

Sie koordinieren ja auch mit zwei Kollegen das Research Lab zum „Streitwert der Vergangenheit“. Wie umstritten sind denn diese Vorbildkonstruktionen in Indien?

HL: Da möchte ich ein konkretes Ergebnis unserer Arbeit im Forschungsverbund anführen, das unmittelbar an das Thema anknüpft. Mit meinem Kollegen vom ZMO, Abdoulaye Sounaye, und Stanislau Paulau von der Universität Halle bereite ich zurzeit die Herausgabe eines Sammelbandes mit dem Titel: Iconic Figures: Intersecting Religious and Political Narratives of the Past vor. Dessen Ziel ist es, die Entstehung, Dekonstruktion und Funktionsweise ikonischer Figuren aus einer überregionalen Perspektive kritisch zu untersuchen.

Der Fokus liegt auf den Schnittstellen zwischen religiösen Erzählungen einerseits und der Aneignung historischer Persönlichkeiten zur Konstruktion von Vorbildern andererseits. Die Beiträge analysieren Politik, Praktiken, Prozesse und Ideen der Ikonisierung. Wir tun das aus drei Perspektiven, die man nicht voneinander trennen kann und die in allen Beiträgen adressiert werden: Modalitäten und Materialität; Zeitlichkeiten und historische Überlappungen; Selbst und Persönlichkeit. „Ikonische Figur“ begreifen wir als ein soziales, politisches oder religiöses Konstrukt, das von den Akteuren entsprechend ihren jeweiligen Interessen ständig in Frage gestellt und verändert wird. Dabei kann es sich um politische oder religiöse Gruppen, Gemeinschaften oder Aktivisten handeln. Unser Anliegen ist es, anhand der Fallstudien zu zeigen, dass die Untersuchung der Entwicklungen, Merkmale und Auswirkungen solcher Vorbild- und Ikonen-Konstrukte dazu beitragen kann, den Umgang mit Geschichte und Verbindungen zwischen an- und abwesenden Zeiten aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Und abschließend eine sehr generelle und weitreichende Frage: Welchen Wert hat die Vergangenheit für Sie im Allgemeinen – und im wissenschaftlichen Sinne im Besonderen?

HL: Am Leibniz-Zentrum Moderner Orient leite ich seit 2020 den Forschungsbereich „Geschichtsbilder als mobilisierende Kraft“. Hier diskutieren wir, warum und wie in Zeiten globaler gesellschaftlicher Krisen und Umbrüche sowie mangelnder Utopien und Zukunftsentwürfe Vergangenheiten zu einer umkämpften Ressource werden. Wir fragen, unter welchen Umständen und mit welchen politischen Zielen Geschichtsbilder zu einer mobilisierenden gesellschaftlichen Kraft werden können und welche Vorstellungen von gesellschaftlicher Gerechtigkeit und Berechtigung, über und für die Vergangenheit zu sprechen, damit verknüpft sind.

Das ist es auch, was mich persönlich mit Blick auf Vergangenheit und Geschichte bewegt. Hinzu kommen Fragen nach der Persönlichkeit in der Geschichte. Ich arbeite viel mit biographischen Ansätzen und mich interessiert, wie Menschen in ihren jeweiligen historischen Umständen lebten, wie sie ihr Leben navigierten, dabei von diesen historischen Gegebenheiten beeinflusst und geprägt waren, diese aber auch herausforderten und mitgestalteten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Heike Liebau führte Achim Saupe.

Der “Wert der Vergangenheit” als Statement, Frage und Projekt

Wie bestimmt sich der Wert der Vergangenheit, wie kann man ihn fassen und erforschen? Welchen Wert hat die Vergangenheit für die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart? Ein Beitrag von Achim Saupe

Der Leibniz Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“, im September 2021 aus der Taufe gehoben, startet mit diesem Eintrag seinen Blog „Value of the Past“. Der Leibniz-Forschungsverbund ist ein inter- und transdisziplinär aufgestellter Verbund von 21 Leibniz-Instituten und internationalen Kooperationspartnern aus dem Bereich der Geschichts- und Kulturwissenschaften, den Politik-, Raum- und Sozialwissenschaften sowie den Umweltwissenschaften.

„Wert der Vergangenheit“?

Man kann und soll gleich den Titel mehrfach hinterfragen: Welche Werte sind hier gemeint, welche Vergangenheit, oder vielleicht besser: Vergangenheiten? Um ein erstes Verständnis dafür zu bekommen, was mit dem „Wert der Vergangenheit“ alles gemeint sein kann, reflektieren wir den Wert, den Gesellschaften der Vergangenheit heute zuschreiben, gegenüber der Bedeutung der Vergangenheit für Gesellschaften in der Vergangenheit, um zugleich ihren möglichen Wert in der Zukunft einzuschätzen.

Daraus ergeben sich aber eine ganze Reihe an neuen Fragen: Müsste man heute nicht zum Beispiel vielmehr von „Werten“ im Plural und von Wertekonkurrenzen sprechen, die die Relevanz des Historischen allenfalls verdeutlichen als begründen können? Und auf welche Vergangenheiten beziehen sich Gesellschaften überhaupt in einer Zeit, in der die Idee einer „Geschichte im Singular“ zunehmend kritisch gesehen wird? Und welche Vergangenheiten kommen überhaupt in Frage, wenn Werte begründet werden?

Herausforderungen der Gegenwart

Ob Denkmalstürze oder Aufarbeitungsskandale, Auseinandersetzungen über Erinnerungskultur, Rituale der Erinnerung und Geschichtspolitik, der Umgang mit dem Kolonialismus in „postkolonialen“ Gesellschaften und die Herausforderungen multidirektionaler Erinnerung, vergangenheitspolitische Revisionsforderungen oder Restitutionskonflikte, aber auch die Debatten um den Epochencharakter des Anthropozäns und Auseinandersetzungen über die Bedeutung von historischen Sammlungen für die Biodiversitätsforschung – sie alle verbindet eins: Die Frage nach dem „Wert der Vergangenheit“ nimmt einen immer größeren Raum in der gesellschaftlichen Selbstverständigung ein.

Demonstrant:innen stürzen die Statue von Edward Colston in Bristol während einer Black-Lives-Matter Demo 2020. Quelle: Wikimedia Commons, https://tinyurl.com/mwnf3ypx.

In den letzten Jahren ist die Vergangenheit zu einer ebenso lebhaft nachgefragten wie heftig umstrittenen Ressource in den Deutungskämpfen der Gegenwart geworden. In der durch digitale Medien geprägten und von Glaubwürdigkeitskrisen durchzogenen Gegenwart (Stichwort: „postfaktisches Zeitalter“) haben Bezüge auf die Vergangenheit in den letzten Dekaden an öffentlicher Wertschätzung gewonnen und sich zugleich zu einem Kampfplatz der Identitätsbildung entwickelt.

Dem Verbund liegt die Annahme zugrunde, dass Aushandlungsprozesse über den Wert der Vergangenheit insbesondere in Zeiten politischer Umbrüche und Krisen eine herausragende Rolle spielen. Unser Ziel ist es, die kulturellen und materiellen Dimensionen von vergangenheitsbezogenen Inwertsetzungspraxen in Geschichte und Gegenwart in den Blick zu nehmen. Auf diese Weise versuchen wir, ein differenziertes Verständnis für frühere und gegenwärtige Praktiken des Bewertens, Umwertens, Aufwertens, Entwertens und Verwertens von Vergangenheit und die ihnen zugrunde liegenden Sinnwelten und Geltungshorizonte zu gewinnen.

Arbeit am “Wert der Vergangenheit”

Es ist nicht die Geschichtswissenschaft allein, die das Feld der Vergangenheitsbearbeitung bestellt, sondern es sind die viel weiter zu fassenden historisch arbeitenden Disziplinen ebenso wie die vielfältigen kulturellen Institutionen und Akteure der Zivilgesellschaft, in denen und durch die über den „Wert der Vergangenheit“ diskutiert wird und die an der Wertschöpfung der Vergangenheit beteiligt sind. Dazu gehören neben der Geschichts- und Kulturwissenschaft – und mit ihnen heute die Forschungsrichtungen der Memory Studies, der Critical Heritage Studies und der Public History – auch die historisch arbeitenden Raum-, Sozial-, Politik- und Umweltwissenschaften. Hinzu kommen Museen – in unserem Fall insbesondere die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, Sammlungen, Archive und Gedenkstätten sowie andere Orte der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die im Verbund aktiven Mitglieder bieten dabei beste Voraussetzungen für die Erforschung und Diskussion der Wertzuschreibungen an die Vergangenheit: Sie widmen sich der empirischen Forschung und verstehen sich zugleich als kritische Reflexionsinstanzen.

Archivierte Postkarten aus Ostpreußen im Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, einem Mitglied im Verbund.

Hinzu kommen aber auch gesellschaftliche Akteure, deren zivilgesellschaftliches Engagement auf blinde Flecken aufmerksam macht, Fehlstellen im öffentlichen Gedächtnis und neue Herausforderungen im Umgang mit unterschiedlichen, transnational verflochtenen globalen Erinnerungen oftmals frühzeitig erkennt. Gerade der Austausch mit zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie Projekte und die Möglichkeiten von Citizen Science interessieren uns, wenn wir nach dem „Wert der Vergangenheit“ fragen.

Themenfelder

Neben den allgemeinen Fragen nach den Wertzuschreibungen an die Vergangenheit bündelt der Verbund seine Forschungen in drei Problemhorizonten und Forschungsperspektiven:

  • Es werden erstens Fragen der historischen Evidenz anhand der Analyse von Sprache und Sinnwelt mitsamt der mit ihnen verbundenen Performanzen untersucht, das Zusammenspiels von Materialität und Medialität als Basis von Evidenzstrategien in geschichtskulturellen Zusammenhängen reflektiert, und vor dem Hintergrund der digitalen Revolution Fragen einer digitalen Heuristik und Historik in Archiven und Sammlungen diskutiert.
  • Raumzeitliche Ordnungsmuster von Wertzuschreibungen an die Vergangenheit hinterfragen wir zweitens im Hinblick auf „dynamische Räume“ in Zeiten zunehmender transnationaler und globaler Verknüpfungen und Transferprozesse, anhand von „geschichtskulturellen Eigenzeiten“, die die Wahrnehmung von Orten der öffentlichen Geschichte von denen der Alltagswelt unterscheidet, und anhand der Öffnung von Räumen und Zeiten in der Diskussion des Konzepts des Anthropozäns, das planetare Perspektiven ebenso wie Fragen der deep time für das Leben in Zeiten von Klimawandel und Biodiversitätsverlust umfasst.
  • In unserem dritten Bereich beschäftigen wir uns mit der Ressource Vergangenheit: Im Zuge gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Fragen nach contested pasts fragen wir nach dem Streitwert, den die Vergangenheit hat. Und das in ganz unterschiedlichen Zugriffen: In Diskursen, im Umgang mit Objekten und ihrer Bewahrung, und in juristischen Auseinandersetzungen. Wir fragen hier aber auch nach den unterschiedlichen medialen, schulischen und gesellschaftlichen Aneignungspraktiken von Vergangenheiten, ebenso wie uns die – auch ökonomischen – Inwertsetzungslogiken interessieren, die unseren Zugriff auf die Vergangenheit bestimmen.

Unser Blog

Die Leibniz Gemeinschaft mit ihren derzeit 97 Forschungseinrichtungen hat das Motto theoria cum praxi. In diesem Sinne versteht sich auch das Blog als ein Labor, das die Reflexion über den Wert der Vergangenheit mit ganz konkreten Studien in unterschiedlichen Bereichen der öffentlichen Geschichte – der Geschichts- und Erinnerungskultur, wenn man so will – verbindet. Zudem versteht sich das Blog als ein Forum, in dem die Arbeit der Reflexion sichtbar wird, Werkstattberichte veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden können, als auch in kurzen Interviews Fragen nach dem Wert und der Wertereflexion verhandelt werden. So hebt sich das Blog von den traditionellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, aber auch von vielen Produkten der Public History aus unserem Bereich ab.

Mit dem Blog wollen wir die Arbeit in unseren Research Labs stärker nach außen hin sichtbar machen. Von den Aktivitäten hier im Blog können so im besten Fall auch Impulse für Themenschwerpunkte in der Zukunft ausgehen. Insofern soll unsere Forschung hier nicht nur abgebildet, sondern auch weitergedacht und im besten Fall weiterentwickelt werden.

Insgesamt wird das Blog vergangenheitsbezogene Wertvorstellungen in deutschen, europäischen und globalen Dimensionen zum Thema haben. Zugleich haben wir einen epochenübergreifenden Rahmen, mit Schwerpunkten auf der Geschichte der Gegenwart, dem 20. und 19. Jahrhundert und Tiefenbohrungen in Früher Neuzeit, Mittelalter, Antike – und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der beteiligten Naturkundemuseen – in erdgeschichtlichen Dimensionen.

Über die Arbeit des Forschungsverbundes, Termine und Publikationen können Sie sich auch auf unserer Website informieren. Für aktuelle Hinweise auf Tagungen, Workshops und Publikationen folgen Sie uns gern auf Bluesky (@valuepast.bsky.social) und auf X (@Leibniz-Values).

Viel Spaß beim Lesen, Forschen und Diskutieren!